was du über deine Kamera wissen solltest

Hier zusammengefasst stehen alle Beiträge, die ich über Kamera Grundwissen geschrieben habe. Mir ist aufgefallen, dass viele Lehrgänge extrem technisch beschrieben sind, oder vollkommen überladen mit Informationen. Natürlich ist es toll, wenn man viel weiß - aber das Gehirn kann garnicht so viel aufnehmen.
Daher möchte ich mich hier auf die Grundlagen beschränken, die man so über seine Kamera wissen sollte.

Die Spiegelreflexkamera
Es gibt viele verschiedene Typen von Kameras, ich werde mich in diesem Beitrag auf Spiegelreflexkameras beschränken, da ich selbst eine habe. Wenn ich jetzt doch den genauen Aufbau erklären würde, würde das den Rahmen sprengen - also nur grob, soviel, wie man wissen sollte! Schauen wir uns mal die folgende Zeichnung an:


Links ist die Ausgangssituation dargestellt, wenn wir durch den Sucher schauen und unser Motiv suchen. Das Licht kommt durch das Objektiv und wird durch den Spiegel direkt in den Sucher gelenkt. Daher sieht man genau das Bild, wie es auch später aufgenommen wird. Löst man nun aus, so klappt der Spiegel nach oben - das Bild wird dunkel - und Licht gelangt auf den Sensor (bei analogen Kamera auf den Film). Natürlich nur solange, wie der Verschluss offen ist. Danach klappt der Spiegel wieder runter, damit man wieder durch den Sucher schauen kann.

Das Objektiv
Nur mit einer Kamera ist es natürlich nicht getan, wir brauchen auch noch ein Objektiv. Im Grunde besteht ein Objektiv aus verschiedenen Linsen, die das Licht auf den Sensor projizieren und einer verstellbaren Blende, die die Lichtmenge reduzieren kann.


1/80s | 35mm | f/2,2 | Iso 200

Die zwei entscheidenden Eigenschaften eines Objektivs sind zum einen seine Brennweite (oder Brennweitenbereich - bei Zoomobjektiven) und seine Lichtstärke, d.h. die größtmögliche Blende. Was das genau bedeutet, möchte ich in den folgenden beiden Abschnitten erklären.

Die Brennweite
Die Brennweite eines Objektivs wird in der Einheit mm = Millimeter angegeben.
Das Prinzip einer Brennweite kennt jeder von uns - jeder hat schon einmal eine Lupe benutzt. Eine Lupe ist eine einfache Sammellinse, die parallel einfallendes Licht in ihrem Brennpunkt bündelt. Und genau dieser Abstand: Von der Linse zum Brennpunkt - ist die Brennweite.


So bezeichnet die Brennweite eines Objektivs den Abstand zwischen Linse und Sensor, bei dem ein unendlich entferntes Motiv (parallele Lichtstrahlen) scharf abgebildet wird (im Brennpunkt). In der Physik hat die Brennweite das Kürzel "f", was wir im Abschnitt über die Blende nochmal brauchen werden.

Verschiedene Brennweiten haben auch verschiedene Bildwirkungen. So teilt man die Objektive in verschiedene Gruppen auf: Weitwinkel, Normalbrennweiten, Telebrennweiten. In den Extrembereichen gibt es dann noch Superweitwinkel und Supertele. Bei einem Objektiv mit wenig Brennweite (Weitwinkel) hat man einen großen Blickwinkel, bei einem Teleobjektiv nur einen geringen Blickwinkel:



Eine Normalbrennweite ist am Kleinbild (Vollformatkameras, also Nikon D700 oder Canon 5D u.a.) etwa 50mm, an APS-C (also jede andere DSLR - wie wohl die meisten von euch haben werden) eine Brennweite ~30-35mm


Die Blende
Wie schon erwähnt, besitzt jedes Objektiv auch noch eine Blende, die das einfallende Licht bündelt.



Die Bezeichnung des Blendenwerts stiftet oft Verwirrung, denn er bezeichnet das Verhältnis von Brennweite und Blendenöffnung. Meistens wird er auf Objektiven mit z.B. f/1.8 angegeben, aber auch mit 1:1.8.
Lasst euch nicht verwirren von 1,8 und 1.8, die Amis haben anstatt unserem Komma ein Punkt :) Daher kann es gut sein, dass ich da auch nicht ganz konsequent in der Notation bin.


Im obigen Bild sehen wir ein paar Beispiele für verschiedene Blendenöffnungen bei verschiedenen Brennweiten. Die Blendenwerte ergeben sich wie folgt:
A: Brennweite f=50mm, Blendenöffnung 25mm → 50mm/25mm = 2 → Blendenwert f/2
B: Brennweite f=50mm, Blendenöffnung 5mm → 50mm/5mm = 10 → Blendenwert f/10
C: Brennweite f=100mm, Blendenöffnung 25mm → 100mm/25mm = 4 → Blendenwert f/4

Hier erkennt man schnell, warum Objektive mit langer Brennweite und sehr kleinen Blendenwerten so teuer sind: Die Linsen müssen einfach unglaublich groß sein! Ich hatte letztens ein 300mm/2,8 in der Hand... Nach einer Minute konnte ich es nicht mehr ruhig halten ;)

Bei Zoomobjektiven sieht man auch oft verschiedene Offenblenden für verschiedene Brennweiten, also bspw. 18-55mm 1:3.5-5.6 bedeutet, dass die Offenblende bei 18mm f/3.5 beträgt, bei 55mm jedoch nur noch f/5.6. Passt auch sehr gut damit zusammen, dass der Blendenwert ja nur das Verhältnis darstellt. Während sich die Blendenöffnung nicht ändern, erhöhen wir die Brennweite. Der Blendenwert steigt.

Der Fokus
Nun haben wir sowohl eine Sammellinse als auch die Blende kennengelernt.
Wenn wir keine Blendenzahl haben (oder eben Offenblende), dann steuern wir den Fokus, also das, was scharf ist, nur über den Abstand von Gegenstand ↔ Linse ↔ Sensor. Also entweder bewegen wir uns, oder drehen am Fokusrad des Objektivs.


Im obigen Bild sind zwei Objekte, die durch eine Sammellinse auf dem Sensor abgebildet werden. Der orangene Pfeil liegt genau in der Fokusebene, wird also auch scharf auf dem Sensor abgebildet. Der grüne Pfeil jedoch liegt außerhalb, daher wird er nur unscharf abgebildet. Hier wurde nur der Abstand zum Motiv geändert. Zum Scharfstellen durch das Fokusrad ändern wir den Abstand zwischen Linse und Sensor.

Wir kennen aber auch noch die Lochkamera, z.B. aus der Schule. Die Lochblende ist so winzig klein, dass alles scharf abgebildet wird (natürlich nur im Rahmen der Lichtbeugung, die bei soo kleinen Blenden auftritt).


Kombiniert man nun eine variable Blende mit unserer Sammellinse, so können wir den Bereich bestimmen, der scharf werden soll. So kommen wir zum nächsten Thema:

Die Schärfentiefe
Die Schärfentiefe eines Bildes ist der Bereich, der von uns als scharf angesehen wird. Dies ist von vielen Faktoren abhängig: Brennweite, Blende, Sensorgröße und Motivabstand. Zusammengenommen gilt:
  1. je größer die Brennweite,
  2. je kleiner die Blendenzahl,
  3. je größer der Sensor,
  4. je kleiner der Motivabstand,
...desto kleiner die Schärfentiefe.

Natürlich gilt das auch genauso andersrum: Will man eine möglichst große Schärfentiefe, so wählt man eine kleine Brennweite, große Blendenzahl, einen kleinen Sensor (falls möglich) und einen großen Motivabstand.

Wenn die Kamera gegeben ist, kann man die Sensorgröße natürlich nicht mehr beeinflussen. Und der Motivabstand hängt ja von unserer gewählen Brennweite und dem Bildausschnitt zusammen - also sind die beiden Parameter, die wir hauptsächlich beeinflussen, Brennweite und Blende.
Im folgenden Bild zeige ich euch eine Reihe von Bildern, alle mit Brennweite 50mm aufgenommen, bei verschiedenen Blenden. Man erkennt klar, dass die Schärfentiefe zunimmt, je weiter wie die Blende schließen.

(klick für größer)
verschiedene Zeiten auf dem Stativ | 50mm | Iso 100


Die Belichtungszeit
Was die Belichtungszeit macht, kann man leicht aus ihrem Namen ablesen: So lange fällt Licht auf den Sensor.
Das Kameradisplay gibt uns aber einfach nur eine Zahl, keine Zeit - dies ist meistens der Kehrwert. Während also eine 200 im Display steht, bedeutet das, dass die Belichtungszeit 1/200 s beträgt. Beträgt die Belichtungszeit eine oder mehrere Sekunden, wird hinter die Zahl noch ein Anführungszeichen gesetzt - bei 2s also 2".


1/1250s freihand | 85mm | f/5 | Iso 200

Es gibt so ein paar "Regeln":
  • schnelle Bewegungen "einfrieren": kurze Belichtungszeit
  • Bewegungen "verwischen" lassen: lange Belichtungszeit (z.B. auch bei Feuerwerk)
  • Belichtungszeit kurz genug wählen, damit man nicht verwackelt - oder ein Stativ benutzen. Als "Merkregel" wählt man etwa 1/Brennweite, lieber kürzer. Z.B. bei 50mm Brennweite nehme ich max. 1/80s. (Mit einem Bildstabilisator verlängert sich noch die Zeit)


7,1s mit Stativ | 35mm | f/8 | Iso 100

Die Empfindlichkeit / Iso
Die Empfindlichkeit stammt aus Analogzeiten, als es verschiedene Empfindlichkeiten bei Filmen gab. Sie wird heute noch in der Einheit Iso angegeben. Die meisten Kameras haben eine Spanne von 200 bis 1600, oft gibt es noch Werte darunter und darüber. Aber was bringen uns nun diese Zahlenwerte?
Ein Sensor mit der Empfindlichkeit 200 ist weniger empfindlich als einer mit dem Wert 400, und zwar genau um die Hälfte. Schauen wir zurück in das Analogzeitalter: Wenn Licht auf den Film trifft, verändern sich die chemischen Bestandteile auf dem Film und verfärben sich. Anfangs ist alles weiß, aber mit mehr Lichteinfall wird es immer dunkler. Wenn ein Film nun eine sehr geringe Empfindlichkeit hat, dauert es lange, bis er schwarz geworden ist. Bei einem hochempfindlichen Film geht es jedoch sehr schnell.

Hat so ein hochempfindlicher Film/Sensor nun seine Nachteile? Ja die hat er, denn die Qualität leidet darunter. Beim analogen Film ist es die Körnung, und die kann ihren Charme haben, besonders bei schwarz-weiß. Beim Sensor spricht man jedoch vom Rauschen, und das ist im Grunde garnicht so schön. Hier gibt es zwei verschiedene Arten: Helligkeitsrauschen und Farbrauschen. Besonders das Farbrauschen ist "eklig", weil es zwischendrin Pixel gibt, die einfach die falsche Farbe haben.
Hier ein Bild bei Iso 6400 in 100%-Ansicht:



Abhilfe schafft hier das "Entrauschen". Wer im Raw-Format fotografiert, hat ganz bestimmt einen Raw-Konverter, der das kann. Ich selbst benutze Lightroom, damit kann man ziemlich gut entrauschen. Danach sieht das Bild so aus:



Ist nun vielleicht ein wenig "matschig", aber man muss ja auch bedenken, dass ich komplett reingezoomt habe. In der Komplettansicht sieht das Bild nun ganz normal aus :) Verrauschte Bilder sind also nicht direkt verloren. Auch jpegs lassen sich entrauschen, aber einfach nicht so gut wie raws.

Die Belichtung
Kommen wir nun zur Belichtung :) Dazu stellen wir unsere Kameras nun alle mal bitte auf M:


1/80s | 50mm | f/2.8 | Iso 400

Sehr gut.
Jetzt wollen wir mal herausfinden, welche Einstellungen was bewirken.
Im folgenden Bild ist das Display einer Nikon D40 dargestellt. Da ich schlecht auf alle Kameras eingehen kann, solltet ihr hier auch bitte einen Blick ins Handbuch werfen, wie ihr im manuellen Modus alles einstellt.



Eingestellt sind hier die Werte 1/125s | f/4 | Iso 200. Was würde jetzt passieren, wenn ich abdrücke? Kommt ein normales Bild raus?
Nein. Schaut euch mal die Belichtungswaage an. Sie zeigt uns, ob ein Bild korrekt belichtet ist. Offensichtlich habe ich aber die Kamera so eingestellt, dass das Bild komplett unterbelichtet wird. Wenn man nun nichts an den Kameraeinstellungen ändert, die Kamera jedoch in verschiedene Richtungen hält - auch nach draußen - dann verändert sich ebenfalls die Belichtungswaage. So entwickelt man ein Gefühl für Helligkeiten, das eventuell vorher so garnicht existiert.

Was könnte ich also tun, damit mein Bild nicht mehr unterbelichtet ist?
  1. Blende weiter öffnen, also die Blendenzahl verringern. Dies ist aber bei diesem Objektiv nur bis 3,5 möglich, und das Bild ist immernoch unterbelichtet. Also
  2. Belichtungszeit verlängern. Ich möchte nur bis 1/50s gehen, damit mein Bild ganz sicher nicht verwackelt wird. Das Bild ist aber immernoch ein wenig unterbelichtet, wenn auch nicht mehr so stark wie vorher. Nun werde ich die
  3. Iso erhöhen. Ich stelle den Wert auf 400 ein. Hey! Es passt! Wir haben ein korrekt belichtetes Bild :)
Spielt einfach mal mit den Einstellungen rum.
Ich persönlich gehe so vor:
  1. ich wähle die Blende aus, die ich wegen der Bildgestaltung haben möchte (siehe Schärfentiefe)
  2. stelle die Iso erstmal auf den Grundwert, das ist bei der D90 Iso 200
  3. ich schaue, welche Belichtungszeit daraus resultiert. Ist sie zu lang, muss ich die Iso erhöhen, bis es passt.
  4. wenn ich faul bin / es schnell gehen muss, arbeite ich im A-Modus mit Iso-Automatik.

Der Weißabgleich
Der Weißabgleich ist eine ganz interessante und wichtige Einstellung, besonders wenn man in jpeg fotografiert. Wenn man in raw fotografiert ist das eher nebensächlich, da man den Weißabgleich auch im Nachhinein verlustfrei im Konverter einstellen kann.

Wichtig ist hierbei zu wissen, dass wir nicht immer neutralweißes Licht haben. Denn die Sonne strahlt auch nicht nur eine "Art" von Licht aus, sondern ein ganzes Spektrum von Wellenlängen. Zu sehen ist dies schön an einem Regenbogen, wenn das ganze Spektrum aufgespaltet wird :)
Je nach Tageszeit kommen die Lichtstrahlen in verschiedenen Intensitäten bei uns an und ergeben kein reinweißes Licht mehr. (Sonst gäbe es auch keine schönen rotorangen Sonnenuntergänge :) )
Auch viele künstliche Lichtquellen haben verschiedene Lichttemperaturen. Bei Wikipedia könnt ihr euch unten eine Tabelle für Lichttemperatur-Richtwerte anschauen, wenn ihr wollt.

Ist nun der korrekte Weißabgleich eingestellt, so erscheint ein weißes Blatt Papier auf dem Bild auch wirklich weiß, ohne Farbstich. Je nach Bildwirkung kann man natürlich die Lichttemperatur niedriger oder höher einstellen.
Hier ein paar Beispielbilder, alle zur gleichen Zeit abends bei bewölktem Himmel mit verschiedenen Einstellungen aufgenommen:


50mm | f/4 | Iso 200

... to be continued ...

11 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Tolle Seite!

Christopher Klaus hat gesagt…

Das habt Ihr mal wirklich gut erklärt! Hut ab :)

OderNichtOderDoch hat gesagt…

total toll! ich hab euch auf meinem blog verlinkt :) süßer Banner!!!

iamtimblogger hat gesagt…

Großartige Erklärung! :)

jojofotografie hat gesagt…

wirklich toll erklärt :)

Silv & K-Helden hat gesagt…

Ich finde die Erklärungen schlüssig aufgebaut und relativ knapp, also gut bemessen.

Werde sie demnächst an Einsteiger weiterempfehlen :)

Grüße von den Kamerahelden

s.

Anonym hat gesagt…

endlich mal eine gute Erklärung :)

Viktor Dite hat gesagt…

Sehr schade, dass Ihr so einen tollen Content mehrfach dupliziert im Web veröffentlicht habt. Auf diese Weise wird Google niemals diesen Content auf den ersten Trefferseiten zeigen, da Duplicate Content! So werden leider viel zu wenige Menschen diese Seiten finden. Schade. Wirklich schade.
Ich werde aber euch bei mir im Fotoblog verlinken.... ;)

Jennifer Wettig hat gesagt…

@Viktor:
Ich musste erst mal googeln, welche Auswirkungen das hat. Mir war überhaupt nicht bewusst, dass dies so negativ ist - von SEO etc habe ich keinen Plan. Jetzt bin ich mir jedoch unsicher, welche Seite ich behalten soll - sowohl dieser Blog, als auch die Seite auf meinem eigenen Blog wird oft verlinkt und gesehen. Aber danke für den Tipp :)

Viktor Dite hat gesagt…

Euer System hat grad mein Kommentar gekillt ;(
Also alles von vorn ;( Leider diesmal nicht so ausführlich.

Ihr habt 4 Möglichkeiten:
1. Ihr überlasst die Entscheidung dem Zufall und Google
2. Ihr setzt hier einen manuellen Canonical Tag auf www.jennifer-wettig.de/wissen/ (google präferiert die Seite bei der Suche nach dem Titel des Beitrags)
3. ihr setzt hier im Blog den Robots Meta Tag auf noindex, follow
4. Ihr schreibt diesen Beitrtag hier im Blog um, so dass er sich nur um den Beitrag auf www.jennifer-wettig.de/wissen/ dreht, aber nicht die Inhalte 1:1 kopiert. Für weitere Informationen verlinkt ihr dann auf den originalen Beitrag

Diana bloggt hat gesagt…

Schöne Seite ♥

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