Die Blende

Von den Einstellungen an der Kamera irritiert wenig mehr als dieses kleine Ding: Die Blende. Jedes Objektiv hat es, wir verstellen sie beim Fotografieren - aber haben wir sie auch verstanden?



Oft versuchen wir uns nur zu merken, was die Auswirkung ist und nehmen die kryptische Zahlenfolge einfach hin. Die Blende wird mal als f/1.8 angegeben, dann wieder als 1:1.8 oder nur 1.8.

Was steht denn da auf meinem Objektiv?

1.8 2.8 4 5.6 8 11 16 22

Zuerstmal: Die Amis haben einen Punkt anstatt unserem Komma, es sind also normale Dezimalzahlen. Diese Zahlen sind nun die Blendenzahlen und bekommen das Formelzeichen k.

Und was hat es nun mit f/1.8 auf sich?

Das kleine f ist die Brennweite - nicht das Zeichen für die Blende, wie oft angenommen - und ein / (oder auch : ) bedeutet einfach, dass hier geteilt wird.

Geteilt - so wie in Mathe?

Ganz genau.
Die Brennweite ist eine Länge, bspw. 50mm. Wenn wir 50mm durch 1,8 (ich nehme mal wieder unsere Schreibweise) teilen, erhalten wir 27,78mm als Ergebnis.
Diese Zahl bezeichnen wir mal mit D, dem Durchmesser des Eintrittslochs - auch Eintrittspupille genannt. Dieser Durchmesser ist nahezu identisch mit dem Durchmesser des Blendenlochs.
(nur dass man hier noch die Linse berücksichtigen muss - aber das kann uns jetzt erstmal egal sein.)


Ich kann die Blende auch weiter schließen, z.B. auf f/16 und erhalte hier einen Durchmesser von D=50mm / 16 = 3,13mm.
So klein! Dadurch wird verständlich, warum eine hohe Blendenzahl eine kleine Öffnung ergibt.

Wir betrachten immer die Brennweite...

Genau, die Blendenzahl ist immer nur das Verhältnis von Brennweite durch Öffnungsdurchmesser. Daher sind Teleobjektive (Brennweite über 50mm, beispielsweise sowas wie ein 70-200mm-Objektiv) mit offenen Blenden (oft f/2,8) so teuer, schließlich muss der Durchmesser vorne D=200mm/2,8 ungefähr 72mm betragen! Hier brauchen wir viel größere Linsen als bei unserem kleinen 50mm/1,8-Objektiv.

Ah, ich glaube ich habe es verstanden. Aber zurück zu dieser Reihe - woher kommt das?

Jetzt wird es mathematisch.
Alles Nötige sollte ich nun gesagt haben, dies hier ist nur noch für die interessierten Leser:
Ursprünglich hat man die Reihe so angelegt, dass von Blendenzahl zu Blendenzahl die Lichtmenge, die hindurchgeht, halbiert wird. Wir haben hier eine Kreisfläche, die Formel dafür war doch π*r². Wenn wir nur noch die Hälfte des Lichts durchlassen wollen, wird unser r² halbiert: r²/2 = r/√2 * r/√2, also verringert sich der Radius um den Faktor √2. Der Durchmesser des Blendenlochs verringert sich also ebenfalls um √2.
Wir rufen uns in Erinnerung, was wir über die Berechnung der Blendenzahl wissen: k=f/D. Wird D also um den Faktor √2 kleiner, wird k genau um diesen Faktor größer. √2 ist ungefähr 1,4.

Probieren wir das mal aus, nehmen aber 1,4 als erste Blendenzahl:
1,4
1,4 * 1,4 ≈ 2
2 * 1,4 ≈ 2,8
2,8 * 1,4 ≈ 3,9 ≈ 4
4 * 1,4 ≈ 5,6
5,6 * 1,4 ≈ 7,8 ≈ 8
8 * 1,4 ≈ 11
etc.

Tadaa! :D
Wenn wir nun also von f/2 auf f/2,8 abblenden, kommt nur halb so viel Licht durch und wir müssen z.B. die Belichtungszeit verdoppeln. Das kann den Unterschied zwischen Verwackeln und nicht-Verwackeln ausmachen!

Ich hoffe, dass es verständlich erklärt ist und versuche jede aufkommende Frage zu beantworten :)

8 Kommentare:

  1. Ich muss mir das bestimmt noch ein bis zweimal durchlesen, aber so genial idiotensicher konnte mir das noch nie einer erklären und yippie, ich glaub ich hab es zum ersten Mal kapiert!!! :D
    Danke :)

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  2. Und dann gibt es noch eine nette Eselsbrücke um sich zu merken, ob man nun bei kleinerer Blende (größerer Blendenzahl) eine längere oder eine kürzere Belichtungszeit benötigt.

    Wir stellen uns die Menge des Lichts, die auf dem Sensor erforderlich ist um das Bild gescheit "hell" zu bekommen, als eine bestimmte Menge Wasser vor, die wir aus einer Flasche in ein Wasserglas schütten müssen (Menge Licht = Menge Wasser, Sensor = Wasserglas).

    Wenn wir nun eine Flasche mit kleiner Öffnung haben (kleine Blende) benötigen wir eine längere Zeit, um das Glas mit Wasser zu füllen, als wenn wir eine Flasche mit großer Öffnung haben.
    Also:
    kleine Blende (Flaschenöffnung) -> längere (Belichtungs-)Zeit,
    große Blende (Flaschenöffnung) -> kürzere (Belichtungs-)Zeit.
    :-)

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  3. ihh über Kreisberechnung schreibe ich Freitag eine Mathearbeit aber ansonsten super erklärt, da kann mal wieder mit seinem Fotowissen angeben 8) <3

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  4. Ich versuche mir gerade allerlei anzulesen, weil ich von "knippsen" zu "fotografieren" kommen möchte und bin so dankbar für gute Erklärungen und klare Ansagen. Hab vielen Dank für die Mühe! Ich lese gerne mehr und mehr und mehr!

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    1. Dann schau doch mal unter dem Punkt Kamera-Wissen vorbei:
      http://www.lenslightlove.de/p/was-du-uber-deine-kamera-wissen.html
      Dort findest du noch mehr :)

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  5. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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